WIZO "Punk gibt's nicht umsonst"-Tour am 21.11.2014 in der Factory Magdeburg

Geschrieben von smashy
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Flyer

 

„Was? Ausgerechnet an einem Freitag?“, dachte ich, als ich das erste Mal von dem WIZO Konzert in der Factory Magdeburg las. „Was für ein blödes Datum, wenn man freitags bis 16:30 Uhr arbeiten muss (armes fault1er :D) …“ Ich hatte das neue Album der Band bis dahin erst wenige Male gehört und fand es für mich auf Anhieb eigentlich nicht so überzeugend (bis auf einige RICHTIG gute Lieder!), vielleicht auch einfach, weil ich Reunions immer sehr skeptisch gegenüberstehe. Trotzdem wollte ich WIZO unbedingt mal live sehen, da mir das zu nicht-Reunion-Zeiten leider verwehrt blieb. So entschlossen wir uns erst relativ kurzfristig doch hinzufahren. Glücklicherweise brach die Firma an diesem Tag eh zusammen, sodass auch das fault1er früher nach Hause gehen durfte. So machten wir uns gegen 17:30 Uhr feuchtfröhlich, munter & entspannt (trotz Bahnfahrt!) auf, die 100km Richtung Magdeburg zurückzulegen. Völlig unerwartet ging bis auf eine minimale Verspätung sogar alles reibungslos. oO

Pünktlich zum Einlass um 19:30 Uhr kamen wir an der Factory an, gaben sogleich unsere wunderschönen Selbstausdrucktickets ab, bekamen einen wahrlich riiiiiesigen Stempel als Gegenleistung auf die Hand und nach einer kurzen Rucksackdurchsuchung (was man halt so braucht beim Konzert… 2 Kissen, ne Decke, ne externe Festplatte – irgendwie muss man ja die anschließende Nacht rumkriegen ;-))wurde uns auch schon Einlass in die heiligen Hallen gewährt. Die Factory haut mich ja immer wieder um – nur leider nicht im positiven Sinne. Im Prinzip ist sie aber eigentlich genau das, was man bei dem Namen vermutet: Ein kaltes, (mir) viel zu großes Gebäude (mit merkwürdigen Bildern an den Wänden), in dem bei mir immer nur wenig Konzertfreude aufkommt.

Wenn man sich in der Factory umsah, ergab sich für mich ein merkwürdiges Bild. Die Zielgruppe der Band hatte sich wohl ganz offensichtlich gewandelt, oder wie war es sonst zu erklären, dass die Leute um uns herum nicht ansatzweise so wirkten, als hätten sie jemals irgendwas mit dem „Schmuddelgesocks“ zu tun gehabt? Der mir auf Anhieb sympathischste Typ in der Räumlichkeit war der an der Garderobenannahme. Der saß halt einfach nur rum & starrte trist vor sich hin. Und huch – da kam auch noch ein irischer Kobold in Dropkick-Murphys-Shirt, Röhrenjeans und hippem Gürtel vorbei! :D Doch nein, so schlimm, wie das hier anmutet, war es gar nicht – tatsächlich lernte man (=wir) schon nach kurzer Zeit einige nette Leute kennen…

Nach längerer Wartezeit und einige Getränke später klärte sich die Sache mit dem Kobold dann doch auf… gegen 21:00 Uhr betraten „The Savants“ als Vorband die Bühne. Und wieder huch – da stand der Kobold plötzlich auf der Bühne, nur sah er jetzt durch den Einsatz einer Gitarre nicht mehr ganz so danach aus. Er war wohl Sänger der Band, die mir bis dato noch gar nichts sagte. Trotzdem erinnerte er mich an jemanden… an wen bloß, an wen bloß. Das fault1er half mir auf die Sprünge… das war Malcolm aus dieser TV-Serie! Das macht der also nun, wo es die Sendung nicht mehr gibt. Fortan fiel es mir äußerst schwer, mich auf die Musik zu konzentrieren, weil ich andauernd lachen musste. 

 Leider sagte mir die Band musikalisch auch überhaupt nicht zu… in meinen Ohren klang jedes Lied gleich und da der Sänger englisch „sang“, konnte ich mich noch nicht mal in die Texte reinfinden. Aufgepeppt wurde das Ganze von Zeit zu Zeit durch einige Off-Beat-Passagen, die mir wirklich gut gefallen haben – nur leider waren diese immer viel zu schnell wieder vorbei und der typisch amerikanisch klingende College-Punk setzte wieder ein. Ein Lied haben sie jedoch offenbar in Deutsch gesungen – und `s fault1er und ich waren uns einig, dass das ihr bestes Lied des Abends war, auch wenn man nur wenig vom Text verstanden hat. Zumindest haben sie sich mit der Performance Mühe gegeben.

Aber Musik ist ja auch immer ne Geschmackssache: Wer auf amerikanischen College-Punk steht, wird mit dieser Band sicher gut beraten gewesen sein. Auch beim Publikum kamen sie scheinbar sehr gut an – aber dieses (zumindest Teile davon) wäre höchstwahrscheinlich (eventuell aufgrund erhöhten Alkoholspiegels im Blut?) auch zu den Flippers  beim Pogo abgegangen.

Nachdem die Band ihren letzten Song gespielt hatte, statteten wir dem Merchstand einen längeren Besuch ab; stellten aber fest, dass uns nichts davon so richtig zusagte. Vor allem wurden die hier verkauften Shirts schon von Hunderten im Raum getragen (mal ehrlich, wieso kommen die Leute immer wieder auf die Idee, zu nem Konzert ein bandeigenes Shirt anzuziehen?). Schade, dass es kaum noch „toureigene“ Shirts gibt, die nicht in jedem Onlineshop verkauft werden…

Als wir uns gerade neue  Getränke holen wollten, erklangen von der Bühne her bereits die ersten Akkorde vom „Raum der Zeit“ und der Raum wurde merklich voller. Doch – Zeit für Getränke muss sein. Das fault1er schaffte es anschließend trotzdem, uns einen guten Platz vor der Bühne zu erkämpfen, wo ich sogleich feststellte, dass das Alter beruhigenderweise auch vor den schönsten Menschen nicht halt macht. Oder anders gesagt: Auch ein Axel Kurth wird sichtbar älter. ;) 

Sonst hat sich allerdings kaum was geändert: Er hat seinen Witz und Humor behalten und immer noch die gleiche Stimme – alles, was WIZO also eigentlich ausmacht. Ihren Mix aus alten und neuen Liedern fand ich für mich ziemlich gut. So folgten auf jedes Lied aus vergangenen Tagen (die vom Publikum auch lautstark gefordert wurden!) auch Lieder des neuen Albums. Für mich gerade deshalb gut, weil ich die alten Sachen zwar lieber mag, es aber zu ner Tour für ne neue Platte nunmal dazugehört, diese auch vorzustellen.

Auch die Ansagen von Axel fand ich super! Darüber kann man ja sehr geteilter Meinung sein – einige finden das Gequatsche total nervig, andere – wie ich – finden, dass das einfach zu nem Konzert dazugehört. Die Ansagen von Axel hatten jedenfalls Charme und machten Spaß beim Zuhören.

Was ich anfangs ein bisschen schade fand, war das Zusammenspiel der Band. Bildete ich mir das nur ein, oder war Axel schon fast genervt, wenn Bassist Ralf ankam und in sein Mikro singen wollte? Zwischen den beiden fanden generell anfangs kaum Interaktionen statt, jeder spielte so vor sich hin. In der zweiten Hälfte des Konzerts verbesserte sich das dann aber wesentlich! Dann waren auch gegenseitige Witze und Unterhaltungen drin, wie man es bei einer Band wie WIZO erwartet. Generell fand ich Axel anfangs ziemlich… konzentriert. Vielleicht auf die Texte? Oft sang er mit geschlossenen Augen oder starrte irgendwo ins nirgendwo. Aber nach langer Zeit der Abstinenz muss man sich vielleicht erst wieder einspielen, auch wenn sie ja während der Tour schon wieder einige Konzerte gespielt hatten. Vielleicht war er auch einfach aufgeregt, denn nach einer gewissen Zeit war auch davon nichts mehr zu merken.

Das Publikum war jedenfalls komplett dabei und nutzte die Energie der Band. Es wurde lautstark mitgesungen und gepogt. Selbst zu Liedern, die absolut nicht dazu einluden. Bei „Ganz klar gegen Nazis" schauten das fault1er und ich uns allerdings nur grinsend an und stellten uns die Frage, auf wie viele Menschen im Publikum der Text wohl zutraf?

Lobenswert übrigens, dass früher oder später alle Publikumswünsche gespielt wurden… allerdings hab ich keine Ahnung, ob sie eh in die Setlist gehörten, oder ob WIZO darauf wirklich eingingen. Selbst einige Akustiklieder der Band wurden zum Besten gegeben, woran sich auch Schlagzeuger Thomas mit einer Akustikgitarre und wunderschönem Gesang beteiligte. Fand ich super.

 

 

Persönliches Fazit: Ein Konzertabend, der unerwartet und aufgrund der Vorband für mich lau anfing. WIZO hingegen waren dafür umso besser und absolut sehenswert! Seitdem habe ich auch endlich mal wieder meine alten WIZO-CDs rausgeholt und gehört. ;-)

 

 

 

 

Hier zu sehen: Das so genannte „Erfolgsrezept der Band“, welches ich im Sinne meines  mir selbst erteilten Bildungsauftrages an euch weitergeben möchte: 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abschließend noch eine kleine traurige Anekdote am Rande, weil es sich an diesem Abend ereignete: Nach dem Konzert fuhren wir mit der Straßenbahn zu unserer Schlafstätte Richtung Haltestelle „Rostocker Straße“. Zwei Halbstarke, eine Frau und ein „Dunkelhäutiger“ befanden sich im hinteren Abteil der Bahn, während das fault1er und ich etwas weiter vorn saßen. Ich beobachtete eine Weile, wie einer der beiden Halbstarken andauernd demonstrativ den rechten Arm hob und lautstark dumme Sprüche in Richtung des „Dunkelhäutigen“ von sich gab. Zunächst bewunderte ich den „Dunkelhäutigen“, weil er absolut gelassen vor sich hin grinste und gar nicht weiter reagierte. Weil der Halbstarke aber nicht aufhören wollte, entschlossen wir uns irgendwann, uns dazuzugesellen. „Oh nee, nicht auch noch Zecken!“, war seine Reaktion. Die Frau, die mittlerweile (?) neben dem „Dunkelhäutigen“ saß, und auch er selbst, freuten sich sehr, das wir kamen. Die Frau erzählte uns, dass der Halbstarke ihr missratener Sohn sei und das er absolut eklig würde, wenn er was getrunken hat. Eklig? Das war wohl kein Ausdruck dafür.

Sie versuchte die ganze Zeit, ihren Sohn zum Schweigen zu bringen, ebenso wie der andere Halbstarke (offensichtlich sein Kumpel), dem die ganze Situation wohl so langsam nicht mehr geheuer war. Da wir dann auch noch ein paar Bemerkungen in Richtung des „missratenen Sohnes“ machten, meinte der „Dunkelhäutige“, dass wir ihn einfach nicht beachten sollten. Definitiv der Coolste in der ganzen Situation. Irgendwann mussten sie leider alle an der gleichen Haltestelle raus, während wir weiterfuhren.

Einen schönen Gruß an dieser Stelle an die beiden, aber auch an den Halbstarken, der mal darüber nachdenken sollte, was ihn prädestiniert, in diesem Land leben zu dürfen. Unfassbar, mit was sich manche Menschen in diesem Land rumärgern müssen! Und unfassbar, wie cool der „Dunkelhäutige“ blieb. Respekt!