Nitro Injekzia & Ben Racken im Crazy World Salzwedel am 07.03.2015

Geschrieben von smashy
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Als das fault1er und ich irgendwann im Februar durch die Stadt gingen, entdeckten wir durch Zufall ein Plakat mit einer Band namens Nitro Injekzia darauf, deren Logo uns vom Flyer des letztjährigen Störfaktor-Festivals bekannt vorkam. Merkwürdigerweise konnten wir uns jedoch beide nicht an die Band an sich erinnern, sodass wir daheim erstmal auf der Bandcamp-Seite recherchiert haben. Da uns gefiel, was wir hörten, beschlossen wir, zu besagtem Konzert hinzugehen. Am 07. März sollte das Ganze also im „Crazy World“ in Salzwedel stattfinden, soso. Da wohnt man (mit Unterbrechungen) schon 23 Jahre in diesem Örtchen und kennt offenbar immernoch nicht alle Konzertlocations der „Stadt“. Auf dem Plakat standen weder Eintrittspreise noch Einlassbeginn noch sonstige Informationen. Auch der Internetseite der Location waren keine weiteren Infos zu entlocken.

Also gingen wir auf blauen Dunst pünktlich zu 21Uhr hin. Offenbar – und wie wir später auch offiziell erfuhren – waren wir damit die ersten zahlenden Gäste des Abends und wurden auch sogleich wieder weggeschickt. Das Konzert wurde kurzerhand ne Stunde nach hinten verlegt. Zumindest unseren Stempel bekamen wir allerdings schonmal verpasst.Aber kein Problem… mit Essen und Trinken lässt sich sogar in Salzwedel eine Stunde recht fix vertreiben.

Gegen 22 Uhr waren wir wieder da – nun war der Laden auch schon etwas voller, wovon einige Leute schnell der Kategorie „Stammtisch“ zugeordnet werden konnten. Auch die Bands (wie wir nun erfuhren spielten da zwei!) waren seit geraumer Zeit da und konnten aufbauen. Trotzdem war vom Beginn des Konzertes immer noch nichts in Sicht. Das Crazy World als Location war schnell erkundet. Man muss dazu sagen, dass es eigentlich eine Kneipe ist, in der ab und zu eben kleine Konzerte stattfinden. Die „Bühne“ bietet vielleicht gerade genug Platz für drei Menschen und die gesamte Kneipe vielleicht für maximal 50-60 Leute. Alles in allem total sympathisch und kuschelig.

Wir setzten uns an die Bar und machten zunächst das günstigste Bier des Ladens ausfindig. Anschließend gingen wir zum winzigen Merchstand, wo wir uns zumindest nach einiger Sucherei der Bandmitglieder von Nitro Injekzia (da sie den Kram selbst verkauften) ein Split-Tape mit den Shitlers zulegten. Und dann standen wir… und saßen… und standen wieder…usw.

Irgendwann hörten wir tatsächlich die ersten Töne des Soundchecks und Nitro Injekzia standen immerhin schonmal auf der Bühne. Doch wer ist die Band eigentlich? Aus drei Mann bestehend, wovon einer – der Schlagzeuger – aus Kanada stammt, während die restlichen beiden aus Russland kommen, spielen sie eine Mischung aus Millencolin und Purgen. Letzteres aber eher wegen der russischen Sprache, in der hauptsächlich gesungen wird. Nur wenn der Drummer auch mal ans Mikro durfte, wurde auf Englisch gewechselt. Insbesondere diese Lieder verleiten mich zum Millencolin-Vergleich.

Sogleich legt die Band mit krachendem Punkrock los, der eigentlich zum Pogen einlädt – doch dafür war das Publikum nicht bereit. Allerdings lag der Altersdurchschnitt  bei etwa 35 - 40 Jahren; wobei ich bei vielen das Gefühl hatte, dass das Crazy World einfach ihre Samstagsabends-Kneipe war/ist und sie deshalb einfach da waren, nur dass halt an dem Abend noch Live-Musik da war.

Das fault1er versuchte immer mal wieder einen Pogo für Arme, der keinen allzu großen Anklang fand, sodass er in seiner eigentümlichen Art von Zeit zu Zeit einfach allein weitertanzte. Die Lieder von Nitro Injekzia grenzten sich für mich nicht immer klar voneinander ab – wo hörte das eine auf, wo fing das nächste an? Aber es machte einfach Spaß, der Band zuzuhören und zuzusehen. Leider war ihr Auftritt auch viel zu schnell vorbei.

Eine weitere Band – Ben Racken – sollte jedoch noch spielen. Das fault1er und ich waren wohl die einzigen im Raum, die die Band nicht kannten. Waren die anderen eventuell vor allem wegen denen gekommen? Wir nutzten jedenfalls die Pause zum frische Luft schnappen… was dringend nötig zu sein schien, da es drinnen wahnsinnig stickig war.

Nach etwa 20-30 Minuten ging es also weiter mit Band Nr. 2. Die sagten mir wie gesagt gar nichts. Im Nachhinein habe ich mir erlesen, dass sie wohl aus Magdeburg kommen – was hier im Ort oft schon als „Lokalhelden“ bezeichnet wird, obwohl die Stadt 100km weg ist (tja, wenn man sonst nichts hat, ne?!). :D

Kennt ihr das, wenn man vom ersten Moment an weiß, dass einem die Band überhaupt nicht liegt? Irgendwie war das Bild, was sich einem bot, total bizarr. Da standen zwei Musiker mit Bass und Gitarre stocksteif mit schickem Karohemd auf der Bühne – keine Ahnung, ob sie absichtlich so steif wirken wollten. Einzig der Schlagzeuger wirkte irgendwie anders, gar nicht der restlichen Band zugehörig. Musikalisch wirkte der Sänger so, als würde er unbedingt versuchen wollen, so zu klingen wie EA80 – was in meinem Ohren, da ich EA80 sehr schätze, nur so semi gelang. Die Texte waren allerdings (vielleicht auch wegen der Akustik?) kaum zu verstehen, aber das fault1er würde es wohl als „Studentenpunk“ bezeichnen. Das Publikum konnte jedenfalls alles mitgröhlen und schien auch immer lockerer zu werden (ggf. auch aufgrund des steigenden Alkoholpegels?). Auch ein netter alter Herr um die 70, der wohl vor allem zum Trinken in die Kneipe kam, wurde herzlich in die Reihen aufgenommen. Da ich aber so gar nichts mit der Musik anfangen konnte, war es, glaube ich, die erste Band überhaupt, die ich mir im Sitzen ansah. Gefühlt spielten sie unglaublich lange… Aber wenigstens zog sich ein Bandmitglied nach dem anderen aus. So. 

Trotz allem hörten wir uns artig das komplette Set inklusive Zugaben an (für 5 Euro muss ich schließlich lange arbeiten! :D), ehe wir uns etwa gegen 1 Uhr zu Fuß auf den Heimweg machten (Gott sei Dank ist die Stadt so klein!).

Fazit: Nitro Injekzia würde ich mir jederzeit – vielleicht mit einem anderen, offenerem Publikum nochmal ansehen und kann nur jedem empfehlen, dies ebenfalls mal zu tun. Mein Bedarf nach Ben Racken ist erstmal für ein paar Jahre gedeckt, was aber – ich betone! – nichts mit der musikalischen Qualität der Band zu tun hatte, denn die war für viele andere total gut. Verschiedene Geschmäcker und so… Aber wenigstens hat das fault1er am Ende des Abends, als er vom Billigbier wegwechselte, noch seine neue Liebe zu Desperados entdecken können. Cheers, mein Mädchen! :)